Maria von
Magdala Initiative
Gleichberechtigung für Frauen in der Kirche
Grußwort
Sehr geehrte Frau von Magdala,
gern hätte ich Sie persönlich kennen gelernt. Da ich nicht sicher bin
ob sich das nachholen lässt, sehe ich mich gezwungen, meine Beschwerde
hier und jetzt vorzutragen. Warum, Frau von Magdala, warum konnten Sie
nicht klare Verhältnisseschaffen? Sie werden als eine kluge Frau beschrieben
und ich will das gern glauben. Aber Sie haben zu viele Fragen offen ge-
lassen. Beispielsweise über Verhältnisse, wobei ich vermute, die Kernfrage
betrifft das Verhältnis von Mann und Frau hinsichtlich ihrer Ebenbürtig-
keit. Und was wurde daraus? Würden Sie heute in deutschen Illustrierten
blättern, als Patronin der Frisöre hätten Sie dazu viele Gelegenheiten, be-
kämen Sie einen Eindruck davon, was mann (ja zwei „n“) Ihnen im Lauf der
Geschichte angedichtet hat. Das hätten Sie sich doch denken können!
So nah an Jesus, so weit vorn in der christlichen Bewegung. Haben Sie
geglaubt, das geht mal eben so? Mehr als fünfzehnhundert Jahre hat die
Kirche gebraucht, um Ihr Leben verhältnismäßig klar zu stellen und trotzdem
keine Unruhe aufkommen zu lassen. Sie hätten sich doch denken können, dass
Ihr Leben für Frauen in einer von Männern dominierten Kirche wirkt wie
Hefe im Teig. Filme wurden gedreht, Romane und Erzählungen geschrieben mit
Ihnen als Protagonistin.
Aber alles außerhalb der Kirche. So habe ich einiges über Sie erfahren,
dann habe ich neutestamentlichte Texte gelesen. Maria, wenn ich Sie so
nennen darf, mein Eindruck ist:
Ihr schmeckt es nicht
Ja, ich meine die Kirche. Ihr schmeckt es nicht, wie Sie, Maria, von Frauen
heute verstanden werden, von christlichen Frauen, von engagierten Gläubigen.
Zu selbstbewusst, zu selbstverständlich im Zentrum. Da könnte ja jede kommen!
Es gibt sogar einen Verein der in Ihrem Namen für die Gleichberechtigung in
der Kirche eintritt! Seit mehr als zwanzig Jahren arbeitet diese Initiative in
Deutschland, kluge, mutige, engagierte Frauen. Doch es ist immer noch so: Maria,
ihr schmeckt es nicht. Schöne Bescherung! Statt mit aller Kraft Jesus in
Wort und Tat folgen zu können, schlagen sich Frauen damit herum, in der Kirche
auf Augenhöhe zu kommen. Gut, dass es die MVM-Initiative gibt. So wie es
aussieht, wird sie noch lange gebraucht.
Verehrte Frau von Magdala,
seien Sie nicht zornig auf mich, dass ich Ihnen die Schuld in die Schuhe geschoben
habe. Wer weiß, ob Sie überhaupt welche trugen. Aber wir sehnen uns nach
dem Tag, an dem es allen schmeckt.
Ihre
Gabriele Lösekrug-Möller, MdB,
Sprecherin der AG Petitionen der SPD-Bundestagsfraktion Im Oktober 2008